BREACH_001: Statement einer Wüstenblume
Ich sag's schon mal vorab: Das ist kein Statement, das ist ein abSTECHER in meinen Mind, und zwar kein kleiner. Es liest sich ein bisschen wie die Elder Scrolls auf RAW mit ein paar Tippfehlern hier und da – aber das bin ich.
Ich nehm euch hier mit und wir steigen ab in meine Unterwelt, ich bringe euch auch wieder zurück, versprochen. Jedoch ob du danach noch dieselbe Person bist, liegt bei dir. Ich kann nichts garantieren. Lesen & gelesen werden: auf eigene Gefahr!
Das ist der Kaninchenbau, und ich bin immernoch zu spät dran. Ich folgte einst selbst dem weißen Hasen – so lange, bis ich irgendwann merkte: Ich folge die ganze Zeit mir selbst…
Wenn du willst, bin ich gern dein Virgil, wenn du Dante sein willst. Aber wenn du dich wirklich dafür entscheidest, solltest du wissen:
„Con il primo passo nel baratro del drago, tu sei anche Beatrice.
Ricorda: il cammino non perdona, ma rivela.
Dove brucia il dubbio, lì nasce la verità.
Io ti guiderò, ma ogni passo sarà tuo.
Vieni, che l'abisso ha fame della tua luce."
Ein Codex-Entry aus der Wüste – ein Einblick in drei Jahre der Metamorphose. Statement zu der Trennung von den Boloboys2k20, und Einblicke in mein Leben seit der Tour.
ich werde ständig danach gefragt, mich zu äußern, warum ich nicht mehr bei den Boloboys bin, warum ich nicht auf dem Tape bin, und so weiter und so fort. Anscheinend meinen die Boloboys selbst auch, auf diese Frage müsse ich zuerst antworten. Nur hab ich selber bis heute keine befriedigende oder konkrete Antwort darauf – weil sie mir nie gegeben wurde. Ich kann hier meine Seite erzählen, aber ob das wirklich die Gegebenheiten befriedigend erklärt, müsst ihr selbst entscheiden. Ich hab selbst noch Fragezeichen im Kopf – aber naja, here goes nothing:
Warum haben die Boloboys entschieden, mich aus den Boloboys auszuschließen? Keine Ahnung, Bro. Mir wurde nie wirklich ein konkreter Grund genannt. Es kam auch nie direkt von den Jungs, sondern immer über zwei, drei Leute. Zu der Zeit war ich in Reha und schon eine Weile komplett sober.
Außerdem ist Boloboys eine GmbH mit sieben Inhabern, einer davon bin ich selbst. Wie man einen der Inhaber (& damit auch Entscheidungsträger) rausschmeißt, ohne dass dieser Entscheidungsträger überhaupt am Tisch sitzt, ist mir bis heute ein Mysterium – aber das mal beiseite.
Im Endeffekt bin ich nicht daran interessiert, irgendwen bloßzustellen oder nachzutreten. Ich habe keine „bad feelings" gegenüber irgendwem, bin auch nicht hinter irgendeinem Gerechtigkeitsgefühl her, das am Ende weniger da lässt, als man davor hatte. Aber langsam find ich's bisschen frech, wie der ganze Diskurs um meine Narrative zum verhurten Kaugummi in aller Munde wird und langsam schon ein Eigenleben entwickelt, durch das sich Leute extreme Dreistigkeiten im Umgang mit mir erlauben.
Leute, die mir vorwerfen, mein Ruf würde mir vorauseilen, nachdem sie ihren eigenen Editorial-Shoot verpeilend nach Japan fliegen – Großkotzig mit groteskem Wortlaut von vermeintlich hohem Ross "ich sag dir das als Freund" sprechen, dann noch stolz verkünden, wie sie 10+ köpfige teams leiten und alles was ich mache Arsch sei, dann aber dann nichtmal ne popelige Rechnung zu bezahlen schaffen??
Andere halten mir ekelhafteste Monologe übers Junkie-Sein und wie man mich angeblich verrottet irgendwo finden wird – Menschen, die, wenn man ihnen eine Woche den Drogenzugang verweigert, selbst tot umfallen würden, und außer Drogenkonsum als Kunstfigur eigentlich nichts anderes verkörpern
Vor allem stört mich die Dialektik – diese schiefe Wahrnehmung meiner Person und wie's mir angeblich gehen soll. Das ist schlicht detrimental auf so vielen Ebenen.
wie sich Leute, die sich außerhalb ihres selbst- oder karriere-selbst-erhalt-kontextes null für das wohl eines „Bruders" interessieren, öffentlich als „gescheiterte retter" profilieren, find ich einfach nur absurd. dazu kommt die fehlende Kommunikation. vielleicht ist alles nur ne unglückliche kette von Missverständnissen, die dazu führt, dass ich hier überhaupt son Kommentar schreibe. aber ich wüsste es nicht – meine versuche zu reden wurden je nach person eher aktiv ignoriert.
also kann ich logisch nicht nachvollziehen, woran es wirklich lag, weil bis jetzt niemand die Eier hatte, es mir ins zu sagen. nur die drogen dafür verantwortlich zu machen, ist schlicht faul: 1. es ist viel nuancierter. 2. wo zieht man die grenze – warum ist es bei einem „nicht okay", aber bei den anderen schon? 3. und vor allem: es erklärt einfach nicht genug der Varianz (ums in ner wissenschaftlichen modell-analoge zu sagen).
ich bin gut mit dave, wir schreiben ab und an, und ich hatte vor 1–2 Monaten mal fella gesehen draußen – war voll nice. aber da gibts andere, die wirklich bis hin zu Aktivist mich ghosten, bis hin zu so tun, als würd ich eif nicht existieren, wenn ich denen auch basically schon ins Gesicht schreie – im Angesicht einer jahrelangen tiefen Freundschaft find ich das eif nur extrem feige und enttäuschend. und um nochmal was klarzustellen: wenn die Drogen nicht da gewesen wären durch gewisse Phasen in dieser zeit, dann wär ich jetzt nicht mehr hier. es war eine unglaublich makabre Erkenntnis, dass die Drogen für mich da waren, als es meine „freunde" nicht konnten/wollten/taten.
nichmehrmir gehts mittlerweile – trotz all den Gegebenheiten, der Stigmatisierung, der sozialen Exklusion und dem daraus entstehenden negativen feedback loop – und ja, ich sags laut und deutlich, auch für die, die sich bisher leisten konnten so zu tun, als hätten sies nicht gehört: die verzerrten Wahrnehmungen, das schweigen, das wegschauen haben viel mehr dazu beigetragen, mich in Rückzug und Konsum zu treiben, als jede Substanz allein es jemals gekonnt hätte. es war nicht nur „die Drogen", es war das system aus schweigen, wegdrücken und stigma, das den kreis geschlossen hat.
in diesem kreis hat sich nicht einfach „ein Fehler" verstärkt, sondern eine jahrelange freundschaft, ein ganzes netz von verbindungen, die eigentlich hätten tragen sollen, wurde in etwas verwandelt, das mich fast umgebracht hätte. ich hab jedoch überlebt – dank meiner familie und den wenigen, die ich trotz allem um mich hatte.
also wie gesagt, ich weiß keinen konkreten grund, aber das ist, was ich wahrgenommen habe. nennt es wie ihr wollt – ich nenns feige, ich nenns enttäuschend, und ich nenns vor allem genau das, was es ist: fucking schade.
ich war nie weg, es haben nur die meisten lieber weggeschaut.
ich bin auch nicht wütend, aber ich muss glaub ich langsam mal was dazu sagen, weil meine story schon viel zu lange von anderen adaptiert und erzählt wird und meiner person, privat und als Kunstfigur, mehr schadet als gerecht wird.
mit all dem gesagt: entschuldigt ein so verspätetes album (was literally seit 4 Jahren fertig rumliegt). ich werd dafür sorgen, dass mein label das dieses Jahr endlich releasen kann und damit den letzten ballast loslassen, der mich emotional und psychisch immer noch an diese kafkaeske zeit bindet.
und am ende will ich danke sagen. meinem Dad, meiner Mom, meiner Schwester, meinem Onkel, meinen Cousins, Punkchrist, Kidha, den artists und Leuten in der Musik, die noch einen menschen vor sich sahen, an Henning – meinem Steuerberater!!! – den angels um mich herum. ich danke Gott. und am allermeisten der Kunst, Musik und der Mathematik. dank ihm sehe ich die Blumen sogar in der wüste.
Ich sollte schlimmer als Ozzy Osbourne sein, aber ich sitz hier – wach – formuliere ein Statement mit mehr Würde als manche ganze Karrieren.
Ich nenn das Genre: blotch
(glitch = machine error, botch = human error, blotch = die Vermählung der zwischenbewusstheits schönen Fehler und des trotz allem immer noch Genug-Seins.)
Immernoch CMM. Immernoch da! Immernoch knifegang.com
Sieht die Blumen in der Wüste — seht ihr die Blumen auch?